Leben ist Vielfalt

 
Biodiversität bezeichnet die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und der genetischen Vielfalt innerhalb der Arten. Sie ist höher, je kleinteiliger die Standortbedingungen und Lebensräume sind.
 
Die landwirtschaftliche Nutzung der Landschaft hat über Jahrtausende hinweg für eine hohe Arten- und Biotopvielfalt in einer offenen, vielfältigen Kulturlandschaft mit Wiesen, Waldrändern, Obstbäumen und Ackerrändern gesorgt. Mit der Industrialisierung in der Landwirtschaft hat sich das verändert durch das Ausräumen der Landschaft für einen großflächigen Maschineneinsatz und durch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Deshalb ist die Biodiversität inzwischen in Städten teilweise höher als auf großen Agrarflächen. Im Schwarzwald droht der Verlust von Vielfalt dagegen durch den Wegfall der menschlichen Nutzung, weil die Übergangsflächen zunehmend verwalden.
 
Es gibt viele Faktoren für den Rückgang der Arten. Um diesen Prozess zu verlangsamen, ist es wichtig, Biodiversität in biologischen Funktionskreisläufen zu denken. Welche Bedingungen brauchen Lebewesen für ihren gesamten Lebenszyklus? Wer Schmetterlinge haben möchte, muss Raupen Lebensraum geben.
 
Biodiversität in der Stadt ist deshalb nicht „schön“ im herkömmlichen Sinn. Es braucht eine Vielfalt an Lebensbereichen, neben blühenden Gärten auch ungepflegte, verwilderte Bereiche mit einer Vielfalt an Baustoffen, Strukturen und Standorten. Nur durch Vielfalt können Ökosysteme Leistungen bereitstellen, die auch die Basis für die menschliche Entwicklung bilden, wie Bestäubung der Pflanzen, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Reinigen von Wasser und Luft und vieles mehr.
Und ganz wichtig: Für die Anpassung der Ökosysteme an neue Klima- und Umweltbedingungen braucht es Vielfalt. Nur so ist der Erhalt der Lebensgrundlage für ALLE möglich.
 
Insekten und ihre Ernährung
Seit ca 400 Millionen Jahren gibt es sie, knapp eine Million Insektenarten sind beschrieben, aber es gibt vermutlich viel mehr Arten, die noch gar nicht entdeckt wurden – und unzählige, die wahrscheinlich nie entdeckt werden, weil sie bis dahin längst ausgestorben sind. Das Insektensterben wird weltweit beobachtet und hat unterschiedliche Gründe, neben der steigenden Umweltverschmutzung ist der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bzw. Insektiziden einer der Hauptfaktoren.
 
 
Insekten ernähren sich so unterschiedlich wie alle anderen Lebewesen auch. Es gibt vegan lebende Insekten, es gibt „fleischfressende“, z.B. Libellen, und es gibt „Allesfresser“, wie z.B. viele Fliegen- oder Wespenarten. Viele Insekten ernähren sich von totem pflanzlichen oder tierischem Material, das sie zerkleinern oder zersetzen und damit für andere Lebewesen verfügbar machen.
 
Je nach Entwicklungsphase des Insekts kann die Ernährung sehr unterschiedlich sein. Die Jungtiere sehen oft nicht nur völlig anders aus, sondern leben zum Teil in einem völlig anderen Lebensraum, wie z.B. die sogenannten „Eintagsfliegen“, die ihr Leben im Wasser verbringen und erst zur Fortpflanzung als geflügelte Insekten auftreten. 
Die „vegan“ lebenden Insektenarten haben sich in der Regel auf bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert, die wiederum darauf angewiesen sind, dass sie von Insekten besucht werden, um sich zu vermehren. Dafür nehmen sie in Kauf, dass sie ein paar Blätter opfern müssen. Manche Raupen bevorzugen andere Nahrungspflanzen wie später die Schmetterlinge. Die Raupen von Pfauenaugen oder vom Kleinen Fuchs brauchen z.B. Brennnesseln, während die Schmetterlinge röhrenförmige Blüten besuchen, aus denen sie Nektar saugen. Die Vielfalt von Pflanzen nimmt ab, mit dem „Unkraut“ verschwinden Nahrungspflanzen für viele Insekten. Hummeln sind z.B. auf Lippenblütler oder Rachenblütler spezialisiert, während die Honigbiene mit nahezu allen Blütenarten zurechtkommt. Mittlerweile finden viele blütenbesuchende Insekten in Städten ein größeres und differenzierteres Nahrungsangebot als auf dem Land, wo große Flächen mit Monokulturen bewirtschaftet werden, die nur wenig insektenfreundliche Nahrung bieten.
 
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